Aus Agnes Giberne’s The Story of the Sun, Moon, and Stars (1898)

Für ein kritisches Denken in neuen Konstellationen

Wir wollen unterschiedlichen, progressiven Perspektiven, auch aus Kontexten außerhalb des deutschsprachigen Raumes, ein Forum geben, in dem auch kontroverse, konfligierende Meinungen abgebildet werden sollen. Dabei versuchen wir nicht nur, auf ein diverses AutorInnenprofil zu achten, sondern möchten auch ein Beitragsportfolio von möglichst unterschiedlichen Genres anbieten; von politischen Essays über wissenschaftlich informierte Texte, Kommentare, Berichte und Rezensionen.

Ein zentraler Themenbereich unserer Debatte ist die Hochschul- und Wissenschaftspolitik. Besonders durch die Etablierung moderner Wissensgesellschaften kommt den Orten, an denen Wissen geschaffen wird, eine besondere Bedeutung zu. Hochschulen sind immer Räume gewesen, in denen über den Status Quo hinaus gedacht wurde. Diese Orte zu verstehen und zu gestalten, halten wir daher für bedeutsam.

Unsere aktuelle Ausgabe

Drohnen über europäischen Flughäfen, Cyber-Angriffe, Verletzungen des NATO-Luftraums – kaum ein Thema ist aktuell so präsent wie die Frage von Krieg und Frieden. Was seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine klar wurde, verschärft sich seither immer weiter: Die alte internationale Ordnung wackelt. Auch ohne Kriegserklärung und Feldschlachten zwischen der NATO und Russland wirkt der Frieden zunehmend brüchig. In dieser unklaren Situation haben es linke, emanzipatorische Positionen schwer: Auf der einen Seite scharen sich Linke um die Fahne. Ganz in der Tradition der «patriotischen» SPD-Zustimmung zu den Kriegskrediten 1914 überbieten sie sich mit Forderungen nach Aufrüstung und Wehrpflicht. Was daran überhaupt noch emanzipatorisch, kritisch und links sein soll, gerät völlig ins Hintertreffen. Ihnen stellen sich «pazifistische» Linke entgegen. Mit Verweis auf menschliches Leid und die Profite von Rüstungskonzernen verweigern sie sich der Realität eines nach neuer Expansion strebenden Russlands und anderer globaler Akteure. Dass die Errungenschaften der liberalen Demokratie nicht identisch mit dem Ziel einer befreiten Gesellschaft sind (und deshalb kritisiert werden müssen), bedeutet für viele «pazifistische» Linke, es gäbe nichts Verteidigenswertes in diesem System. Zwischen beiden, in ihrer fehlenden Nuancierung falschen, Positionen wollen wir nach linken Antworten suchen.